Utopischer kann man in Berlin nicht wohnen als im Ökohaus. An besserer Lage auch nicht.
Bauhistorisch, als Zukunftslabor, ist die konstruktive und gesellschaftliche Radikalität des Ökohauses von Frei Otto nicht hoch genug einzuschätzen. Dieser Meisterstreich der 80er-Jahre inspiriert gerade eine neue Generation freidenkender Architekt:innen, Wohnbau neu zu erfinden und Freiräume zurückzuerobern – Lacaton & Vassal zum Beispiel. Die Aura von Utopia ist übergross, nähert man sich den Betontragstrukturen, die wie eine Elefantenherde im eingewachsenen Park im Botschaftsviertel steht. Das Ökohaus atmet Humanismus. Ahnungen von einem freieren Leben, von engagierten und intakten Verbindungen zur Natur und zur Welt – bilde ich mir den Lagerfeuer-Geruch gerade nur ein? Mit der zum Verkauf stehenden Einheit 3, einer Duplex, bekommt man gleich zwei Zukunftsbaumeister: Frei Otto, den Urheber der Siedlung – unter anderem Entwerfer der biomorphen Zeltdächer des Münchner Olympiaparks 1972, mit seinen leichten Membran- und Seilnetzkonstruktionen. Plus Arno Brandlhuber, Deutschlands einflussreichster und bewegendster Architekt zur Zeit, der den Innenausbau zusammen mit unprofessional.studio komplett neu konzipiert und realisiert hat. Poeticwalls freut sich, dir das Objekt zu zeigen und wissend zu informieren.
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Eigenheim auf der Etage – Frei Ottos Manifest am Tiergarten, in zweiter Übersetzung von b+ und unprofessional.studio.
Eine Maisonette von Frei Otto am Tiergarten. 190 m². Lehmwände nach historischem Mischverhältnis, Spiegelwand mittig im Obergeschoss, Marmor im Bad, Inselküche von Sam Chermayeff. Doppelautorenschaft Frei Otto / Brandlhuber+. Vier Schritte zum Tiergarten, zehn Minuten zum Kulturforum, fünfzehn zur Museumsinsel.

«Das ideale anpassungsfähige Haus wird weder im alten Sinne gebaut, noch kann es im alten Sinne geplant werden. Es entsteht synchron mit den Aufgaben und wandelt sich mit diesen. Es ist stets neu, es veraltet nicht, aber es vergeht, wenn die Aufgaben erlöschen sollten.» Frei Otto, 1984

Das Ökohaus entstand 1984–87 für die IBA Berlin auf einem 3.940 m² grossen Grundstück zwischen Cornelius- und Rauchstrasse. Drei Stahlbetontische, achtzehn Wohneinheiten, ein gemeinsamer Garten. Tragwerk und Erschließung sind kollektiv und im Erbbaurecht. Die Wohnungen darin sind privat — frei geplant, frei gebaut, frei veränderbar. Otto nannte das «Eigenheim auf der Etage».
Die direkten Nachbarn der IBA '87 — die Stadtvillen an der Rauchstrasse, städtebaulich gerahmt von Rob Krier, mit Bauten von Aldo Rossi, Hans Hollein, Giorgio Grassi, Brenner & Tonon, Nielebock, Valentiny & Hermann — stehen unter Denkmalschutz. Für die Ökohäuser ist der Antrag vorbereitet.

Frei Otto und das Ökohaus
Frei Paul Otto (1925–2015) hatte die Idee des anpassungsfähigen Bauens schon als Student. 1958 veröffentlichte er sie in Berlin-Zehlendorf, in der „Mitteilung Nr. 6“ seiner Entwicklungsstätte für Leichtbau: Ein Stahlbetonskelett, in das die Bewohner:innen ihre eigenen Wohneinheiten stellen sollten. 1959 folgte ein Entwurf für ein flexibles Hochhaus in New York auf derselben Logik. Die Berliner Ökohäuser sind die einzige gebaute Realisierung dieses Konzepts — und Frei Ottos einziger Wohnungsbau in Berlin überhaupt.

Eingeladen wurde Otto 1984 von Josef Paul Kleihues, dem Direktor der Internationalen Bauausstellung, zum Thema „Natur und Bauen“. Ursprünglich war das prominente Grundstück am Askanischen Platz vorgesehen. Nach einer kurzfristigen Änderung von Oswald Mathias Ungers’ städtebaulichem Konzept wechselte Otto auf das kleinere, intimere Grundstück der ehemaligen Vatikan-Botschaft am Tiergarten. In knapp einem Jahr entwickelte sein Team eine «dreidimensionale Gartenstadt» — drei Stahlbetontische als kollektive Infrastruktur, Eigenheime auf der Etage als Privatraum.

Das Tragwerk
Drei Tische. Stützen 50 × 110 cm. Stahlbetonplatten 25 cm. Unterzüge 45 cm. Lichte Höhe pro Geschoss 7,5 m. Maximale Bauhöhe 13,5 m. Otto positionierte die Skelette so, dass keine Sichtachse und kein nennenswerter Pflanzenbestand verloren ging — 26 grosse Bäume blieben stehen, die Besonnung wurde über die Jahreszeiten studiert. Aussentreppen erschliessen die Plattformen und steifen die Skelette aus.
Die Aufteilung von Tragwerk und Wohneinheit ist nicht nur eine Form, sondern ein juristisch-wirtschaftliches Konstrukt. Otto wollte verhindern, dass Bodenspekulation das Projekt frisst: Grundstück und Tische gehören kollektiv, im Erbbaurecht. Veränderlich und veräusserbar ist nur, was innerhalb der Tische gebaut wird. So sind Form und Verfügung aneinander gekoppelt.
Innerhalb der Tische planten achtzehn Bewerber:innen ihre Eigenheime mit eigenen Architekt:innen. Otto hielt sich aus den Entwürfen heraus, «um die Diversifizierung zu ermöglichen». Das Ergebnis ist ein gebauter Patchwork — Ottos These ”Form als Resultat” in voller Konsequenz.

Einheit 3
Einheit 3 sitzt im Südwest-Tisch, ebenerdig, mit nördlich vorgelagerter Aussentreppe. Aussenmaße 6,80 × 16,00 m. Lichte Höhe 5,30 m. Zwei Geschosse als Maisonette. Wohnfläche nach WoFlV: 190 m².
Der Erstausbau von 1987 setzte zwischen Frei Ottos Beton-Infrastruktur ein zweigeschossiges Holzskelett, gemauerte Lehmziegelwände, Hourdis-Tonhohlplatten als Geschossdecken und einen Kreuzstromwärmetauscher. Die Lehmwände haben eine letzte Schicht in weissem Kaolinlehm (nicht gestrichen), wobei der Lehmputz bis heute dem Mischverhältnis von 1987 folgt.

Erdgeschoss
Sämtliche Innenwände abgebrochen, Grundriss komplett geöffnet. Frei Ottos Betonstützen und das Holzskelett Ruprechts bleiben sichtbar. Treppe in der Mitte trennt Eingangs- und Wohnbereich. An der Nordstütze Bad und Hausanschlüsse. An der Südstütze die auskragende Inselküche von Sam Chermayeff. Boden: originale Terracotta aus 1987, Fehlstellen mit neuen Brandenburger Fliesen ergänzt — Farbabweichungen bewusst gestreut. Wände: neuer Lehmputz aus den abgebrochenen Lehmziegeln nach historischem Mischverhältnis, weiss gestrichen.

Obergeschoss
Mittige Längswand über die ganze Tiefe, einseitig verspiegelt — wirft Tageslicht in die hinteren Bereiche. Quergestellte Wände in Glas. Hinter der Längswand nördlich Schlafen, südlich Kinderzimmer, dazwischen ein transluzenter Kleiderschrank als Trennwand. Boden Weisstanne, Nassbereich Bad in Marmor. Lichtschienen über die ganze Länge. Über dem Wintergarten Süd schliesst neu ein Holzbalkenrost mit STEICO-Furnierschichtholz die Geschosse — die früher offene EG/OG-Verbindung ist damit geschlossen.

Fassaden
Im Bestand belassen. Hauseingangstür um ein Feld erweitert, in der Südfassade ein Öffnungsflügel im Kinderzimmer ergänzt.
Tiergartenviertel
Südlich des Tiergartens, zwischen Cornelius- und Rauchstrasse, im Botschaftsviertel. Westlich angrenzend die Botschaft Korea. Südlich der Landwehrkanal. Nördlich, über die Rauchstrasse, das IBA-Stadtvillen-Ensemble.
Tiergarten zu Fuss in fünf Minuten. Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe und Kulturforum mit Scharouns Philharmonie und Stülers Gemäldegalerie zehn Minuten zu Fuss. Bauhaus-Archiv um die Ecke. Restaurants und Cafés entlang Potsdamer Straße bis Schöneberg. U-Bahn Mendelssohn-Bartholdy-Park und Kurfürstenstraße fussläufig. Hauptbahnhof in zehn Minuten. Flughafen BER in 35–50 Minuten.
Besser kann man in Berlin nicht wohnen.

Lebendige Ikone
Das Ökohaus ist real existierende Utopie. 1984 geplant für eine heitere Zukunft. Es ist ein Experiment — und als Experiment geglückt. Die Frage, wie Stadt und Natur, Eigenheim und Gemeinschaft, Beton und Lehm zusammen funktionieren, hält es seit 1987 offen. Wer Einheit 3 übernimmt, erhält eine seltene Doppelautorenschaft: Frei Otto im Tragwerk, Brandlhuber+ und unprofessional.studio in der zweiten Schicht, Sam Chermayeff in der Küche.
Lage und Recht. Tiergartenviertel ist in Berlin, was Brera in Mailand oder Bayswater in London ist — knapp, ruhig, nah an Park und Museum, ohne Touristenstrom. Das Erbbaurecht für Tisch und Grundstück stabilisiert: keine Bodenspekulation, kein Eigentümerwechsel der gemeinsamen Substanz.
Substanz und Markt. Das Ökohaus ist ein Werk des Pritzker-Preisträgers Frei Otto, das aktuell auf den Denkmalschutz zugeht — siehe die bereits geschützten Stadtvillen der direkten Nachbarschaft. Vergleichsobjekte im Ensemble bewegen sich aktuell zwischen 7.500 und 9.500 €/m². Wer das Haus betritt, sieht sofort, warum.

Erdgeschoss (92,39 m²):
Eingang, Diele, Wohnen, Essplatz, Küche/HA, Bad, WC, Waschküche, Pufferzone, Wintergarten Süd mit ebenerdigem Terrassenzugang, anteiliges Treppenhaus.

Obergeschoss (87,93 m²):
Schlafen mit Umkleide, Bad mit Marmor-Nassbereich, WC, Vorraum, Abstellraum, Flur, Arbeitsbereich, Wintergarten Süd, Balkon.























